Kaiser-Lindemann, Schumann, Schostakowitsch
1. Philharmonisches Konzert
Solist: Antonio Meneses (Violoncello) | Dirigent: Georg Fritzsch
Sonntag | 12. September 2010 | 11 Uhr | Kieler Schloss
Montag | 13. September 2010 | 20 Uhr | Kieler Schloss
Wilhelm Kaiser-Lindemann (* 1940): IDEA - en pente (URAUFFÜHRUNG)
Robert Schumann (1810-1856): Violoncellokonzert a-Moll, op. 129
Dimitri Schostakowitsch (1906-1975): 5. Sinfonie d-Moll, op. 47
Solist: Antonio Meneses (Violoncello)
Dirigent: Georg Fritzsch
Einführung um 10.15 Uhr bzw. 19.15 Uhr
Zu einem sinfonisch fulminanten Auftakt der neuen Spielzeit möchten wir Sie mit einer Uraufführung, einer weltbekannten russischen Sinfonie sowie einem Werk eines Jubilars begrüßen. Das Cellokonzert des Romantikers Robert Schumann, der 2010 seinen 200. Geburtstag hätte feiern können, lebt ganz und gar von seinem expressiven Ausdrucksgehalt, wobei es sangliche und virtuose Elemente in erstaunlicher Ausgewogenheit zu verbinden weiß. Typisch romantisch erscheint auch Schumanns Tendenz, die drei Einzelsätze durch fließende Übergänge und thematische Bezüge zu einer einzigen großen Form zusammenzuschweißen. Die oft sehnsuchtsvoll vorwärts drängenden Melodien des Solocellos präsentieren sich in den ersten beiden Sätzen recht dominant, während sich das abschließende Rondo zu einem motivischen Ballspiel zwischen Solist und Begleitung entwickelt.
Dimitri Schostakowitschs 5. Sinfonie ist ein mindestens ebenso emotionales Werk wie das Schumannsche Cellokonzert, nur verbarg der Komponist hier seine wahren Gefühle unter einem raffinierten musikalischen Deckmäntelchen. Um das Leben seiner Familie nicht zu gefährden, mimte Schostakowitsch offiziell den linientreuen Parteikomponisten, doch in Wahrheit verrät gerade die Musik seiner 5. Sinfonie seinen inneren Widerstand und seine tief empfundene Trauer über die Opfer der sowjetischen Diktatur. Zwar kehrte er hier zu spätromantischen Klangmitteln und klassisch orientierten Mustern zurück, doch entlarvt zum Beispiel allein die bewusst ungelenke Walzerseligkeit des Scherzos diesen traditionell fröhlichen Tanzsatz als bizarr-doppelbödige Satire. Und wer im pathetischen Gestus des Finales den „erzwungenen Jubel“ mit einer verherrlichenden Apotheose verwechsle, der müsse laut Schostakowitsch „schon ein kompletter Trottel“ sein.
Der Komponist der Uraufführung, welche das neue Konzertjahr eröffnen wird, dürfte in Kiel hingegen kein Unbekannter sein. Wilhelm Kaiser-Lindemann spielte 24 Jahre lang als Hornist im Philharmonischen Orchester Kiel, doch seine zweite große Liebe gilt und galt schon immer dem Erfinden von Musik. Bereits mehrere Werke konnte er mit „seinem“ Orchester aus der Taufe heben, so etwa im Herbst 2007 die erfolgreichen MEDITATIONS ON TWO CHURCH WINDOWS unter der Leitung von GMD Georg Fritzsch. Nun begibt sich Kaiser-Lindemann auf die Suche nach einer Tonsprache, die das affektgeladene Spannungsfeld von Schumanns romantisch ausgelebten und Schostakowitschs musikalisch mehrdeutig verpackten Gefühlen in heutigem Sinne ergänzt bzw. kommentiert.
Montag | 13. September 2010 | 20 Uhr | Kieler Schloss
Wilhelm Kaiser-Lindemann (* 1940): IDEA - en pente (URAUFFÜHRUNG)
Robert Schumann (1810-1856): Violoncellokonzert a-Moll, op. 129
Dimitri Schostakowitsch (1906-1975): 5. Sinfonie d-Moll, op. 47
Solist: Antonio Meneses (Violoncello)
Dirigent: Georg Fritzsch
Einführung um 10.15 Uhr bzw. 19.15 Uhr
Zu einem sinfonisch fulminanten Auftakt der neuen Spielzeit möchten wir Sie mit einer Uraufführung, einer weltbekannten russischen Sinfonie sowie einem Werk eines Jubilars begrüßen. Das Cellokonzert des Romantikers Robert Schumann, der 2010 seinen 200. Geburtstag hätte feiern können, lebt ganz und gar von seinem expressiven Ausdrucksgehalt, wobei es sangliche und virtuose Elemente in erstaunlicher Ausgewogenheit zu verbinden weiß. Typisch romantisch erscheint auch Schumanns Tendenz, die drei Einzelsätze durch fließende Übergänge und thematische Bezüge zu einer einzigen großen Form zusammenzuschweißen. Die oft sehnsuchtsvoll vorwärts drängenden Melodien des Solocellos präsentieren sich in den ersten beiden Sätzen recht dominant, während sich das abschließende Rondo zu einem motivischen Ballspiel zwischen Solist und Begleitung entwickelt.
Dimitri Schostakowitschs 5. Sinfonie ist ein mindestens ebenso emotionales Werk wie das Schumannsche Cellokonzert, nur verbarg der Komponist hier seine wahren Gefühle unter einem raffinierten musikalischen Deckmäntelchen. Um das Leben seiner Familie nicht zu gefährden, mimte Schostakowitsch offiziell den linientreuen Parteikomponisten, doch in Wahrheit verrät gerade die Musik seiner 5. Sinfonie seinen inneren Widerstand und seine tief empfundene Trauer über die Opfer der sowjetischen Diktatur. Zwar kehrte er hier zu spätromantischen Klangmitteln und klassisch orientierten Mustern zurück, doch entlarvt zum Beispiel allein die bewusst ungelenke Walzerseligkeit des Scherzos diesen traditionell fröhlichen Tanzsatz als bizarr-doppelbödige Satire. Und wer im pathetischen Gestus des Finales den „erzwungenen Jubel“ mit einer verherrlichenden Apotheose verwechsle, der müsse laut Schostakowitsch „schon ein kompletter Trottel“ sein.
Der Komponist der Uraufführung, welche das neue Konzertjahr eröffnen wird, dürfte in Kiel hingegen kein Unbekannter sein. Wilhelm Kaiser-Lindemann spielte 24 Jahre lang als Hornist im Philharmonischen Orchester Kiel, doch seine zweite große Liebe gilt und galt schon immer dem Erfinden von Musik. Bereits mehrere Werke konnte er mit „seinem“ Orchester aus der Taufe heben, so etwa im Herbst 2007 die erfolgreichen MEDITATIONS ON TWO CHURCH WINDOWS unter der Leitung von GMD Georg Fritzsch. Nun begibt sich Kaiser-Lindemann auf die Suche nach einer Tonsprache, die das affektgeladene Spannungsfeld von Schumanns romantisch ausgelebten und Schostakowitschs musikalisch mehrdeutig verpackten Gefühlen in heutigem Sinne ergänzt bzw. kommentiert.


